Es genügt, die Tür zu Fanny Petits Wohnung zu durchschreiten, um in die Vergangenheit zurückzureisen. Mitten im 11. Arrondissement von Paris gelegen, bewahrt ihre Wohnung all die typischen Merkmale von Wohngebäuden der 1970er-Jahre – vom Schachbrettparkett bis zum Müllschacht aus einer anderen Zeit. Weit davon entfernt, die Vergangenheit hinter sich lassen zu wollen, spielt Fanny mit diesen architektonischen Codes, um ein unverwechselbares und mutiges Refugium zu schaffen, in dem ihre Liebe zu Farben mit ihrer Leidenschaft für Vintage in Dialog tritt. Begleiten Sie uns auf eine Hometour.
„Alle fragen mich, wie mein Mann das findet – aber er liebt es!“ In den vergangenen Wochen haben Fanny, Charles, Marcel (6 Jahre), Michel (2 Jahre) und Raoul, der Hund, schon beim Frühstück eine ordentliche Portion Rosa genossen. Die Sorbet-Küche in ihrer 60-Quadratmeter-Wohnung, in kubischer Form, die bis zur Decke reicht, fällt dabei sofort ins Auge. Fanny hatte zunächst auf Nummer sicher gespielt: „Als wir vor sieben Jahren einzogen, entschieden wir uns zunächst für eine weiße Küche, aus Angst, dass ich mich daran sattsehen könnte… und am Ende war es genau das Weiß, das mich schließlich ermüdete.“
Also griff das Paar zu Pinsel und Bohrmaschine und ersetzte die seelenlosen Fronten durch farbenfrohe, hohe Türen – ganz ohne Eingriffe in die Struktur. Sanft und zugleich mutig wirkt das zarte Rosa, das lediglich durch weiße technische Elemente, von der Arbeitsplatte bis zu den Geräten, akzentuiert wird. Die Chromdetails verleihen dem Ganzen zudem eine zeitgemäße Note.
Auch wenn es auf den ersten Blick naheliegend erscheint, ist das Rosa kein Zufall. „Ursprünglich gab es in der Küche eine Müllschacht-Säule. Anstatt sie zu verstecken, haben wir sie lieber zu einem Vorteil gemacht und gefliest, sodass sie zu einem starken architektonischen Element wurde.“ Das Ergebnis ist ein Triptychon aus Bronze, Rosa und Weiß, das sofort ins Auge fällt und den Ton vorgibt. Wer genau hinschaut, erkennt: Fanny entschied sich für eine einfache, fugenlose Installation, damit die Farben im Mittelpunkt stehen, während eine Reihe mattweißer Fliesen zwischen den glänzenden Keramikfliesen für Rhythmus sorgt. Subtil und unglaublich wirkungsvoll.
Hier ein Griff, der eine Wand aufgreift, dort eine Leuchte, die Harmonie erzeugt … Wie ein roter Faden strukturieren die Farben die Wohnung von Fanny und Charles optisch. Im Schlafzimmer diente die Tapete von Mathilde Cabanas als Ausgangspunkt für die Farbpalette. Fanny griff das zarte Gelb auf, das sie sowohl an den Wänden als auch an den Trennwänden und Griffen einsetzte und damit ihrem Espresso-Ankleidezimmer eine überraschende Note verleiht.
Während Fanny von der Farbe angezogen wurde, ist das Spiel der Linien kein Zufall. Ebenfalls inspiriert von der Tapete, der sie eine deutlich erwachsenere Dimension verleiht, ist der Ankleidebereich von den 70er-Jahre-Einflüssen geprägt, die der Kreativen am Herzen liegen. Der veraltete Schrank mit Schiebetüren gehört der Vergangenheit an. Fanny nutzte die vorhandenen Gegebenheiten, um eine Komposition aus schwarzen Metod-Einheiten zu entwickeln, die lediglich durch sichtbare Deckplatten getrennt sind. Ein Design, das millimetergenau zwischen die beiden bestehenden Wände passt und den verfügbaren Raum optimal nutzt – ganz ohne größere bauliche Eingriffe.
Gleiche Vorgaben … andere Aufteilung! Im Schlafzimmer ihrer Söhne setzte Fanny den Schwerpunkt auf Funktionalität: Hier erfüllen die ursprünglich für die Küche vorgesehenen Unterschränke vor allem den Bedarf an Schubladen im unteren Bereich, sodass Marcel und Michel ihre Spielsachen selbstständig erreichen können. Ein Leitprinzip, das auch die Wahl der Griffe aus unserer Zusammenarbeit mit Pauline Borgia beeinflusste. „Sie bieten den Kindern einen visuellen Orientierungspunkt und haben eine sehr verspielte Ausstrahlung.“
Blick nach oben: Als Akzent erlebt Rosa in Schlafzimmern ein Comeback und verleiht den Farbkonzepten neuen Schwung. Im Kinderzimmer gibt die Pendelleuchte dem Zusammenspiel von Bronze und Cement zusätzlichen Pepp. Im Badezimmer hellt sie dunkles Holz auf und ermöglicht erneut, dem Raum einen grafischen, leicht nostalgischen Akzent zu verleihen. Ein explosiver Cocktail, dessen Rezept Fanny wie ihre Westentasche kennt!